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Schmerzensgeld bei Verbrennungen: Höhe & Ansprüche

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27.08.2026
Daniel Stebahne
Personenschadensrecht
Sonstiges

Das Wichtigste im Überblick

  • Bei Verbrennungen richtet sich das Schmerzensgeld nach dem Verbrennungsgrad, der betroffenen Körperfläche, sichtbaren Narben und dauerhaften Beeinträchtigungen.
  • In vergleichbaren Fällen sprachen Gerichte je nach Schwere Beträge von wenigen tausend Euro (leichtere Verbrennungen) bis in den sechsstelligen Bereich (großflächige Verbrennungen mit Entstellung) zu.
  • Verantwortlich sein können der Unfallgegner, ein Arbeitgeber, ein Produkthersteller oder eine behandelnde Klinik – je nach Ursache haften unterschiedliche Personen und Versicherungen.
  • Neben dem Schmerzensgeld bestehen häufig weitere Ansprüche wie Verdienstausfall, Behandlungs- und Fahrtkosten sowie ein Haushaltsführungsschaden.


Verbrennungen gehören zu den schmerzhaftesten und folgenreichsten Verletzungen überhaupt. Sie verheilen oft langsam, hinterlassen sichtbare Narben und können die Beweglichkeit dauerhaft einschränken. Wenn Sie durch einen Unfall, einen Arbeitsunfall, ein fehlerhaftes Produkt oder einen Behandlungsfehler Verbrennungen erlitten haben, steht Ihnen in vielen Fällen ein Schmerzensgeld zu. Auf dieser Seite erfahren Sie, wovon die Höhe abhängt, welche Ansprüche daneben bestehen und wie Sie diese durchsetzen.

Schmerzensgeld bei Verbrennungen: Wovon hängt die Höhe ab?

Das Schmerzensgeld bei Verbrennungen wird immer individuell bemessen – eine feste Tabelle gibt es nicht. Gerichte orientieren sich an einer Reihe von Kriterien, die zusammen ein Bild von der Schwere Ihrer Verletzung ergeben. Entscheidend sind vor allem der Grad der Verbrennung, die betroffene Körperfläche und die bleibenden Folgen.

Wichtige Faktoren sind:

  • Der Verbrennungsgrad (erst-, zweit-, dritt- oder viertgradig): Je tiefer die Verbrennung in das Gewebe reicht, desto schwerwiegender ist sie.
  • Die betroffene Körperfläche: Großflächige Verbrennungen sind lebensbedrohlich und ziehen ein deutlich höheres Schmerzensgeld nach sich.
  • Sichtbare und dauerhafte Narben, besonders im Gesicht, am Hals oder an den Händen.
  • Funktionseinschränkungen, etwa eingeschränkte Beweglichkeit durch Narbenzug.
  • Zahl und Dauer der Operationen, insbesondere Hauttransplantationen.
  • Psychische Folgen wie Traumatisierung, Depressionen oder ein sozialer Rückzug wegen der Entstellung.

Verbrennungsgrade und ihre Bedeutung für die Bewertung

Der medizinische Verbrennungsgrad ist einer der wichtigsten Ausgangspunkte für die Bemessung des Schmerzensgeldes. Er beschreibt, wie tief die Hitzeeinwirkung das Gewebe geschädigt hat.

  • Erstgradig: Nur die oberste Hautschicht ist betroffen (vergleichbar mit einem Sonnenbrand). Diese Verbrennungen heilen meist folgenlos ab.
  • Zweitgradig: Es bilden sich Blasen, die Verletzung reicht tiefer. Je nach Ausprägung können Narben zurückbleiben.
  • Drittgradig: Die gesamte Haut ist zerstört, oft ist eine Hauttransplantation nötig. Es bleiben in der Regel dauerhafte Narben.
  • Viertgradig: Auch tieferliegende Strukturen wie Muskeln oder Knochen sind geschädigt – lebensbedrohliche Verletzungen mit schwersten Folgen.


Je höher der Grad und je größer die betroffene Fläche, desto höher fällt das Schmerzensgeld aus.

Typische Ursachen und wer haftet

Ob und gegen wen Sie Ansprüche haben, hängt von der Ursache der Verbrennung ab. In der Praxis kommen mehrere Konstellationen vor:

  • Verkehrsunfall: Bei einem Fahrzeugbrand oder einer Verpuffung haftet der Unfallverursacher bzw. dessen Kfz-Haftpflichtversicherung.
  • Arbeitsunfall: Verbrennungen am Arbeitsplatz werden über die gesetzliche Unfallversicherung abgewickelt. Ein zusätzliches Schmerzensgeld gegen den Arbeitgeber ist meist nur bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit möglich.
  • Fehlerhafte Produkte: Explodierende Geräte, undichte Heizstrahler oder mangelhafte elektrische Geräte können eine Produkthaftung des Herstellers auslösen.
  • Behandlungsfehler: Verbrennungen durch fehlerhaft angewendete medizinische Geräte, heiße Wärmflaschen oder Elektrochirurgie im Krankenhaus begründen einen Arzthaftungsanspruch.


Gerade bei ärztlichen Behandlungen greift die Beweislastregel des § 630h BGB: Bei einem sogenannten voll beherrschbaren Risiko – etwa der sicheren Handhabung eines Geräts – muss die Behandlerseite nachweisen, dass sie alles richtig gemacht hat.

Welche Ansprüche Sie neben dem Schmerzensgeld haben

Das Schmerzensgeld ist nur ein Teil der Entschädigung. Bei Verbrennungen entstehen oft erhebliche wirtschaftliche Schäden, die ebenfalls ersetzt werden müssen. Dazu zählen:

  • Verdienstausfall, wenn Sie durch die lange Heilung nicht arbeiten können.
  • Behandlungs- und Rehakosten, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden.
  • Fahrtkosten zu Ärzten, Kliniken und Therapien.
  • Haushaltsführungsschaden, wenn Sie Ihren Haushalt nicht mehr wie zuvor führen können.
  • Kosten für Folgeoperationen und Narbenkorrekturen, auch in der Zukunft.


Gerade bei bleibenden Narben ist ein Feststellungsanspruch wichtig: Er sichert, dass auch später auftretende Schäden noch ersetzt werden.

So setzen Sie Ihre Ansprüche durch

Die Durchsetzung beginnt mit einer sorgfältigen Dokumentation. Sammeln Sie alle Arztberichte, Fotos der Verletzung im Heilungsverlauf, Rechnungen und Belege. Fotos sind bei Verbrennungen besonders wichtig, weil sie die Entwicklung der Narben belegen.

Achten Sie außerdem auf die Verjährung: Schmerzensgeldansprüche verjähren nach §§ 195, 199 BGB grundsätzlich in drei Jahren ab dem Ende des Jahres, in dem Sie von Schaden und Verantwortlichem Kenntnis erlangt haben. Bei schweren Verletzungen sollten Sie frühzeitig anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen, damit keine Fristen verstreichen und die Höhe realistisch eingeschätzt wird.

Häufige Fragen

Wie hoch ist das Schmerzensgeld bei Verbrennungen?


Eine pauschale Antwort gibt es nicht. In vergleichbaren Fällen sprachen Gerichte bei leichteren Verbrennungen einige tausend Euro zu, bei großflächigen Verbrennungen mit dauerhaften Narben und Entstellungen dagegen fünf- bis sechsstellige Beträge. Die konkrete Höhe hängt von Grad, Fläche, Narben und Folgen ab.

Bekomme ich mehr Schmerzensgeld, wenn Narben im Gesicht bleiben?


Ja. Sichtbare Narben im Gesicht, am Hals oder an den Händen werden regelmäßig höher bewertet, weil sie den Betroffenen dauerhaft belasten und eine Entstellung darstellen. Auch psychische Folgen wie sozialer Rückzug fließen in die Bemessung ein.

Welche Rolle spielt der Verbrennungsgrad?


Der Verbrennungsgrad ist ein zentrales Kriterium. Erstgradige Verbrennungen heilen meist folgenlos ab, während dritt- und viertgradige Verbrennungen mit Hauttransplantationen und bleibenden Narben ein deutlich höheres Schmerzensgeld rechtfertigen.

Kann ich auch nach Jahren noch Ansprüche geltend machen?


Schmerzensgeldansprüche verjähren in der Regel in drei Jahren ab Kenntnis. Für später auftretende Schäden ist ein Feststellungsanspruch wichtig, den man frühzeitig sichern sollte. Lassen Sie Ihren Fall daher zeitnah prüfen.

Wer zahlt das Schmerzensgeld bei einem Arbeitsunfall?


Bei Arbeitsunfällen wird die medizinische Versorgung über die gesetzliche Unfallversicherung abgewickelt. Ein zusätzliches Schmerzensgeld gegen den Arbeitgeber ist meist nur möglich, wenn dieser den Unfall vorsätzlich oder grob fahrlässig verursacht hat. Gegen Dritte, etwa Produkthersteller, bestehen jedoch oft eigene Ansprüche.

Fazit

Verbrennungen sind schwere Verletzungen mit oft lebenslangen Folgen – körperlich wie seelisch. Die Höhe des Schmerzensgeldes richtet sich nach dem Verbrennungsgrad, der betroffenen Fläche, den bleibenden Narben und den dauerhaften Beeinträchtigungen. Neben dem Schmerzensgeld können Sie Verdienstausfall, Behandlungskosten und weitere Schäden geltend machen. Weil die Bemessung komplex ist und die Verantwortlichkeit von der Ursache abhängt, lohnt sich eine fundierte rechtliche Prüfung. Wenn Sie selbst betroffen sind, beraten wir Sie gerne kostenlos zu Ihren Ansprüchen. Vereinbaren Sie eine unverbindliche Ersteinschätzung.

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