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78.400 EUR Schmerzensgeld nach Angriff durch Security

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24.08.2026
Daniel Stebahne
Personenschadensrecht
Sonstiges

Das Wichtigste im Überblick

  • Das Landgericht Hanau (Urteil vom 31.10.2022, Az. 4 O 1305/14) sprach einem jungen Mann 78.400 EUR Schmerzensgeld zu.
  • Ursache war eine vorsätzliche schwere Körperverletzung durch Security-Personal auf einer Veranstaltung: mehrfache Stöße gegen Kopf und Auto sowie ein Sturz mit Aufprall des Hinterkopfs auf Asphalt.
  • Es entstanden ein Schädelbasisbruch, ein Schädel-Hirn-Trauma 3. Grades und Hirnblutungen mit wochenlanger Lebensgefahr.
  • Der Täter und der veranstaltende Sportverein hafteten als Gesamtschuldner; zusätzlich wurden rund 35.933 EUR materieller Schadensersatz und eine Feststellung für künftige Schäden ausgeurteilt.


Ein Abend auf einer Veranstaltung, ein Einsatz des Sicherheitsdienstes – und danach schwebt ein junger Mann in Lebensgefahr. Wer durch Gewalt schwere Kopfverletzungen erleidet, steht oft vor der Frage, welches Schmerzensgeld zusteht und wer überhaupt haftet. Das Landgericht Hanau hat in einem solchen Fall entschieden und zeigt, dass nicht nur der Täter, sondern auch der Veranstalter zur Verantwortung gezogen werden kann.

Was ist passiert?


In der Nacht zum 26. Dezember 2011 wurde ein damals 24-jähriger Mann auf dem Parkplatz eines Gemeindezentrums von einem Mitglied des Sicherheitsdienstes angegriffen. Die Veranstaltung – der traditionelle "Weihnachts-Rock" – wurde von einem ortsansässigen Sportverein ausgerichtet, der die Sicherheit über informell beauftragte Bekannte organisiert hatte. Eine schriftliche Beauftragung des Security-Personals gab es nicht.

Der Täter stieß den Geschädigten mehrfach gegen den Kopf und gegen ein Auto und brachte ihn schließlich so zu Fall, dass dieser mit dem Hinterkopf auf den Asphalt aufschlug. Zwei neutrale Augenzeugen bestätigten das brutale Vorgehen. Anschließend verweigerte der Täter dem schwer verletzten Opfer Hilfe. Der Mann erlitt einen Schädelbasisbruch, ein Schädel-Hirn-Trauma 3. Grades und Hirnblutungen.

Der medizinische Verlauf


Die Verletzungen waren lebensbedrohlich. Der Geschädigte musste am selben Tag notoperiert werden, um eine Hirnblutung zu entlasten. In den folgenden Tagen verschlechterte sich sein Zustand durch eine zunehmende Hirnschwellung erneut, sodass eine weitere Operation nötig wurde. Es folgten Wochen auf der Intensivstation, eine langwierige Rehabilitation, eine Krankenhausinfektion (MRSA) sowie ein späterer Krampfanfall.

Insgesamt zog sich die stationäre und rehabilitative Behandlung über Monate hin. Der Verletzte war zeitweise komplett desorientiert und musste grundlegende Fähigkeiten neu erlernen. Seine Eltern wurden vorübergehend zu gesetzlichen Betreuern bestellt.

Die Entscheidung des Gerichts


Das Landgericht Hanau sprach dem Geschädigten 78.400 EUR Schmerzensgeld zu (Az. 4 O 1305/14). Hinzu kamen rund 35.933 EUR materieller Schadensersatz sowie die gerichtliche Feststellung, dass die Beklagten auch für alle künftigen materiellen und immateriellen Schäden aufkommen müssen, soweit diese heute noch nicht absehbar sind.

Entscheidend: Der Täter und der veranstaltende Sportverein wurden als Gesamtschuldner verurteilt. Das bedeutet, der Geschädigte kann den vollen Betrag von jedem der beiden fordern. Rechnet man das Urteil auf heutige Verhältnisse hoch, entspricht das Schmerzensgeld einem Wert von rund 84.863 EUR.

Warum hat das Gericht so entschieden?


Das Gericht sah die vorsätzliche Körperverletzung als erwiesen an. Dafür sprachen die rechtskräftige strafrechtliche Verurteilung des Täters wegen schwerer Körperverletzung sowie die Aussagen zweier neutraler Augenzeugen. Die Schwere und die Vorsätzlichkeit der Tat wirkten schmerzensgelderhöhend – ebenso der Umstand, dass der Täter dem verletzten Opfer die Hilfe verweigerte.

Die Haftung des Vereins ergab sich daraus, dass er die Sicherheit auf seiner Veranstaltung dem Security-Personal übertragen hatte. Wer solche Aufgaben delegiert, muss für das Fehlverhalten seiner Hilfspersonen einstehen (§§ 823, 831 BGB). Dass die Beauftragung nur mündlich und informell erfolgte, entlastete den Verein nicht – im Gegenteil. Ein Mitverschulden des Geschädigten (§ 254 BGB) sah das Gericht nur in geringem Umfang, weshalb die Beklagten 75 Prozent der Verfahrenskosten tragen mussten.

Was bedeutet das für Betroffene?


Wer durch eine Gewalttat schwer verletzt wird, hat Anspruch auf Schmerzensgeld – und häufig kommt neben dem Täter ein weiterer Schuldner in Betracht. Gerade bei Vorfällen im Umfeld von Sicherheitsdiensten kann der Veranstalter mithaften, weil er für das Verhalten des von ihm eingesetzten Personals verantwortlich ist. Das ist wichtig, weil einzelne Täter oft zahlungsunfähig sind.

Bei schweren Kopfverletzungen mit bleibenden Folgen sprachen Gerichte in vergleichbaren Fällen Schmerzensgelder im mittleren bis oberen fünfstelligen Bereich zu. Wie hoch der Betrag im Einzelfall ausfällt, hängt von Schwere, Dauer und Dauerfolgen der Verletzung sowie von der Vorsätzlichkeit der Tat ab. Ebenso bedeutsam ist die Feststellungsklage für künftige Schäden: Bei Hirnverletzungen können Spätfolgen wie Epilepsie oder kognitive Einschränkungen erst Jahre später auftreten.

Häufige Fragen

Wie viel Schmerzensgeld gibt es bei schweren Kopfverletzungen?


Das Landgericht Hanau sprach im hier beschriebenen Fall 78.400 EUR zu (Az. 4 O 1305/14). Bei schweren Schädel-Hirn-Traumata mit Dauerfolgen bewegen sich Schmerzensgelder häufig im mittleren bis oberen fünfstelligen Bereich. Der genaue Betrag hängt vom Einzelfall ab.

Haftet bei einem Security-Angriff auch der Veranstalter?


Ja. Im Fall des LG Hanau haftete der veranstaltende Verein gesamtschuldnerisch neben dem Täter, weil er die Sicherheit auf seiner Veranstaltung dem Security-Personal übertragen hatte (§ 831 BGB). Betroffene können den vollen Betrag von jedem Gesamtschuldner fordern.

Spielt eine strafrechtliche Verurteilung eine Rolle für das Schmerzensgeld?


Ja. Eine rechtskräftige strafrechtliche Verurteilung erleichtert im Zivilprozess den Nachweis der Tat erheblich. Im Hanauer Fall stützte sich das Gericht auf die Verurteilung wegen schwerer Körperverletzung und die Aussagen zweier neutraler Augenzeugen.

Was bedeutet gesamtschuldnerische Haftung?


Gesamtschuldnerische Haftung bedeutet, dass mehrere Verantwortliche gemeinsam für den vollen Schaden haften. Der Geschädigte kann sich aussuchen, von wem er den Betrag verlangt. Das ist ein wichtiger Vorteil, wenn ein einzelner Täter nicht zahlen kann.

Warum ist die Feststellung künftiger Schäden wichtig?


Bei Hirnverletzungen können Spätfolgen erst Jahre später auftreten. Die gerichtliche Feststellung sichert, dass die Verantwortlichen auch für heute noch nicht absehbare künftige Schäden aufkommen müssen. So verjähren spätere Ansprüche nicht vorschnell.

Wie lange dauert es, bis ein solcher Fall entschieden ist?


Das kann mehrere Jahre dauern. Der Vorfall ereignete sich Ende 2011, das Urteil erging 2022. Komplexe Personenschäden mit medizinischen Gutachten und mehreren Beklagten sind zeitaufwendig – umso wichtiger ist eine frühzeitige anwaltliche Begleitung.

Fazit


Das Urteil des LG Hanau zeigt: Opfer schwerer Gewalttaten sind nicht schutzlos. Neben dem Täter kann auch der Veranstalter haften, und die gerichtliche Feststellung sichert Ansprüche für die Zukunft ab. Wer schwere Kopfverletzungen erlitten hat, sollte seine Ansprüche sorgfältig prüfen lassen.

Wenn Sie selbst von einem ähnlichen Vorfall betroffen sind, beraten wir Sie gerne kostenlos zu Ihren Ansprüchen. Vereinbaren Sie eine unverbindliche Ersteinschätzung.

Über die Kanzlei Lueken & Stebahne

Unsere Kanzlei ist auf Personenschäden spezialisiert und vertritt seit vielen Jahren Betroffene von Gewalttaten, Unfällen und Behandlungsfehlern bei der Durchsetzung von Schmerzensgeld und Schadensersatz. Als Experten für Personenschadenrecht begleiten wir Sie von der ersten Einschätzung bis zur Durchsetzung Ihrer Ansprüche vor Gericht.

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